Vereinsgeschichte

Musikverein Maichingen

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in den Jahren 1946 und 1947 viele Heimatvertriebene in Maichingen ansässig, darunter viele musikalisch begabte und begeisterungsfähige Hobbymusiker. Die Musiker (damals waren es ausschließlich Männer) fanden sich in kleinen Gruppen zusammen, um zusammen zu proben und gemeinsam Volksmusik zu spielen. Hierbei standen böhmische Märsche und Polkas im Vordergrund des musikalischen Repertoires.

 

Da die Blasmusik auch bei der Jugend populär war, wurden erste Unterrichtsstunden für 8 bis 12jährige abgehalten. Der Unterricht fand dabei in den Wohnungen und Kellern der „Ausbilder“ statt. Die ersten Maichinger Musikausbilder waren hierbei Anton Lang, Ignatz Wohland und Franz Breiner.

 

Im Jahr 1952 folgte zur Einweihung des neuen Schulhauses der erste Auftritt der neuen Blaskapelle unter der Leitung von Franz Breiner. Um auch „offiziell“ am Maichinger Kulturleben teilnehmen zu können, entstand die Idee zur Gründung eines Musikvereins. Nach einigen vorbereitenden Sitzungen eines vorläufigen Ausschusses kam es am 11.Juli 1953 zur Gründungsversammlung. Einstimmig beschloss die Versammlung die Gründung des Musikvereins Maichingen. Noch am Abend erklärten 134 Personen ihren Beitritt. Die Versammlung wählte Gerhard Braun zum ersten Vorsitzenden und Franz Breiner zum Musikleiter.

 

Die Sindelfinger Zeitung zitiert in ihrer Ausgabe vom 13. Juli 1953, in dem über die Gründungsversammlung berichtet wird :

 

„Wir hatten schon wiederholt die rühmliche Feststellung treffen zu können, dass man in Maichingen die Gepflogenheit hat, alles was man tut, richtig zu tun.“

 

Bereits im Dezember 1953 veranstaltete der Musikverein seine erste „Großveranstaltung“, nämlich die Weihnachtsfeier. Die Turn- und Festhalle war restlos ausverkauft und die frischgebackene Kapelle begeisterte das Maichinger Publikum.

 

Um sich mit benachbarten Vereinen zu messen, wurde von Anfang an der Besuch von Wertungsspielen des Bezirks gepflegt. Bereits 1955 konnte in Aidlingen ein erster Rang in der Mittelstufe erreicht werden.

 

Ab 1955 entwickelte sich das „Wunschkonzert“ zu einem regelrechten Publikumsmagneten. Meistgewünschtes Lied war hierbei der „Florentiner Marsch“, der sich im Laufe der Jahre zu einer Art „Maichinger Hymne“ und Markenzeichen des Musikvereins entwickelte.

 

Einen frühen Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte erlebte der Musikverein 1959 bei einem Auftritt in der Sendung „Mit Volksmusik ins Land hinaus“ des Süddeutschen Rundfunks. Noch Jahre später wurde berichtet, dass dieser Auftritt einen unheimlichen Motivationsschub brachte und der Probenbesuch sowohl vor als auch nach dem Auftritt nahezu vollzählig gewesen sei.

 

1961/1962 wurde eine eigene Jugendkapelle gegründet, die den musikalischen Nachwuchs innerhalb des Vereins sichern sollte. Wie bereits in den Jahren zuvor übernahmen erfahrene Altmusiker den Unterricht der Jugendlichen. Bald konnte die ersten Jungmusiker in die Reihen der aktiven Musiker integriert werden.

 

1962 wurde dem Musikverein erstmals die Durchführung des Kreismusikfestes übertragen. Vier Tage lang war Maichingen musikalisches Zentrum des Landkreises und der MV Maichingen erwarb sich den Ruf eines straff organisierten und leistungsfähigen Musikvereins.  

 

Aus den Reihen der Aktiven formierte sich ab Mitte der 60er Jahre die Tanzkapelle des Musikvereins, aus der sich im Laufe der Zeit die „Eichtal-Buam“ entwickelten, welche mit ihrem Unterhaltungsprogramm weit über den Großraum Stuttgart hinaus bekannt wurden. Bei mehreren Gastspielen in den USA begeisterten die „Eichtal-Buam“ ihre Zuhörer im „Alpine Village“ bei Los Angeles. Noch heute stehen in manchen Maichinger Wohnzimmerschränken die Schallplatten der „Eichtalbuam“, die zu den Spitzenzeiten der Kapelle produziert wurden.

 

Im Juni 1973, anlässlich seines 20jährigen Bestehens, wurde dem Musikverein Maichingen die Durchführung des Bezirksmusikfestes übertragen, einer damals wie heute sehr großen Veranstaltung mit zig Musikkapelle aus nah und fern sowie mehreren tausend Besuchern. Zu dieser Zeit zählte der Musikverein 36 aktive und 152 passive Mitglieder. Auch hier zeigte der Musikverein Organisationstalent und stellte ein bis heute unvergessenes Musikfest auf die Beine.

 

1977, also 24 Jahre nach der Vereinsgründung, gab Franz Breiner altershalber sein Amt als Dirigent ab. Nachfolger wurde Werner Schunn .

 

Ein immer größer werdendes Freizeitangebot brachte ab den 80er Jahren vor allem im Jugendbereich heranwachsende Probleme mit sich – der Nachwuchs interessierte sich mehr für die „Neue Deutsche Welle“ als für die Blasmusik. Mit attraktiven Freizeitangeboten versuchte der Musikverein, seine Jungmusiker bei der Stange zu halten und den musikalischen Nachwuchs zu sichern.

 

Musik- und Chorgemeinschaft Maichingen (Trachtenkapelle)

Parallel zum Musikverein Maichingen wurde am 21.März 1959 die Musik- und Chorgemeinschaft gegründet. Wiederum waren es die aus den Ostgebieten Vertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Maichingen gekommen waren und hier ihr Brauchtum, die Volksmusik pflegen wollten.

 

Es war ein im Vergleich zum bereits seit sechs Jahren bestehenden Musikverein kleiner Verein, dessen Leben und Wirken eng mit der katholischen Kirchengemeinde Maichingen verbunden war. Die Kirchengemeinde übernahm nach der Vereinsgründung die Bürgschaft für die Instrumente und stellte den Übungsraum zu Verfügung. Da man sich mit dem Gedanken trug, die Kirchenmusik bzw. den Kirchengesang zu integrieren, entstand die Bezeichnung Chorgemeinschaft.

 

Am Dreikönigstag 1960 hatte der neugegründete Verein mit 16 aktiven Musikern seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Gemeindefeier der kath. Kirchengemeinde. Dirigent der ersten Stunde war hierbei Alois Wrana, der 1961 auch den Vereinsvorsitz übernahm und dieses Amt bis 1976 bekleidete.

 

Bereits 1963 war die Musik- und Chorgemeinschaft auf 84 Mitglieder angewachsen. Im gleichen Jahr beschloss man in der Jahrshauptversammlung die Anschaffung einer Tracht, die aus einer einheitlichen Jacke, einer roten Weste sowie einem schwarzen Hut mit Federn bestehen sollte.

 

Wie aus dem Jahresbericht der Musik- und Chorgemeinschaft für 1964 hervorgeht, wurde während nur eines Jahres an 21 Veranstaltungen teilgenommen. Das für Ende Juli angesetzte Sommerfest musste jedoch wegen Regen abgesagt werden.

 

Sicherlich bemerkenswert ist ein Konzert mit anschließendem Tanz, das am 18.April 1964 zugunsten des Deutschen Roten Kreuzes stattfand. Für einen aus heutiger Sicht eher bescheidenen Eintrittspreis von 1,50 DM konnten die Besucher der völlig ausverkauften Festhalle im ersten Konzertteil die Blaskapelle und im zweiten Teil das Streichorchester, welches aus eigenen Musikern bestand, hören und erleben.

 

Das folgende Jahr 1965 war sicherlich eines der erfolgreichsten für die Musik- und Chorgemeinschaft: außergewöhnliche Auftritte wie z.B. im Kurgarten Bad Cannstatt bei der Proklamation der Vertriebenen-Charta in Anwesenheit des Bundespräsidenten und in zwei SDR-Sendungen „So singt’s und klingt’s im Land“ zeugten von der Leistungsfähigkeit des Blasorchesters. Vom 03.-05.September fand im großen Festzelt bei der Turn- und Festhalle das Sommerfest statt. Hierzu war es der Musik- und Chorgemeinschaft gelungen, Ernst Mosch und seine Egerländer Volksmusikanten zu verpflichten. Trotz schlechtem Wetter war das Festzelt mit über 1500 Personen brechend voll, die den Star der Volksmusik frenetisch bejubelten.

 

Im Jahr 1967 wurde erstmals der Kinderfasching veranstaltet, der sich bis zum heutigen Tag als sehr erfolgreiche Veranstaltung fortgesetzt hat und aus dem Maichinger Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken ist.

 

1968 wurde erstmals eine Partnerschaft mit einem ausländischen Verein initiiert. Die Stadtkapelle „La Vaillant“ aus Chalon sur Saone/Frankreich war der Einladung zum Maichinger Heimat- und Kinderfest gefolgt und ins Schwabenland gereist. Bis heute besteht die Freundschaft zwischen den Vereinen. Die Musikkapelle Maichingen freut sich, dass ihre französischen Freunde der Einladung nach Deutschland angenommen haben und zum Herbstkonzert 2003 hierher kommen werden. Neben der Freundschaft mit Chalon entwickelte sich in den folgenden Jahren auch eine Partnerschaft mit der Musikkapelle aus St. Pantaleon/Österreich, die ebenfalls bis zum heutigen Tage bestand hat. Initiator der Freundschaft mit der Musikkapelle St. Pantaleon war das MCM-Ehrenmitglied Anton Lang. Natürlich werden im Jubiläumsjahr auch sie hierher nach Maichingen kommen und zusammen mit der Musikkapelle musizieren.

 

Zum Jahreswechsel 1970/71 war die Musik- und Chorgemeinschaft auf 138 Mitglieder angewachsen. Die 70er Jahre waren gekennzeichnet durch vielerlei Auftritte bei heimischen Terminen, wie dem Kuchenritt, dem Weinfest und dem Gartenfest. Auf mehreren Konzertreisen durch Österreich und Südtirol stellten die Musiker ihr Können unter Beweis.

 

Im September 1978, beim 25jährigen Jubiläum des Musikvereines traten die Musik- und Chorgemeinschaft und der Musikverein zum ersten Mal gemeinsam auf.

 

Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass die Musik- und Chorgemeinschaft bereits 1979 einen in Vereinsfarben lackierten Kleinbus besaß, der gespendet worden war und den Musikern noch mehr Mobilität ermöglichte.

 

Beim Neujahrskonzert 1980 trat zum ersten Mal die neugegründete Theatergruppe mit dem Stück „Der doppelte August“ auf. Wie aus den Zeitungsberichten entnommen werden kann, sorgten die Laienspieler für Lachsalven und lang anhaltenden, beinahe nicht endenden Applaus.

 

Nach Fertigstellung des Bürgerhauses im Jahr 1981 hatte die Blaskapelle endlich einen großen Übungsraum zur Verfügung. Besonders aktiv wurde Anfang der 80er die vereinseigene Tanz- und Showkapelle unter der Leitung von Peter Klement.

 

1983 initiierte die MCM erstmals die Maibaumaufstellung am Bürgerhaus, die bis zum heutigen Tag ein beliebtes Traditionsfest geblieben ist.

Beim Kreisverbandsmusikfest 1983 nahm die Musik- und Chorgemeinschaft erstmals an einem Wertungsspiel teil. In Magstadt konnte ein hervorragender 1. Rang mit Belobigung erreicht werden.

 

1984 feierte der Verein sein 25jähriges Jubiläum. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Trachtenkapelle aus 25 Musikerinnen und Musiker, 17 Jugendliche befanden sich in der Ausbildung.

 

1990 wurde die Jugendkapelle der Musik- und Chorgemeinschaft gegründet. Hierbei federführend waren Reinhard Steiner und Franz Lemmle, denen es gelungen war 35 junge Musikerinnen und Musiker für die Blasmusik zu begeistern. Ein Probenwochenende in Alpirsach schweisste die junge Truppe förmlich zusammen und motivierte die Jugendlichen dermaßen, dass gleich im ersten Jahr beim Kritikspiel in Rutesheim die Note „gut“ erreicht werden konnte.

 

Auch vor der Musik- und Chorgemeinschaft machte jedoch die fortschreitende Entwicklung zur Freizeitgesellschaft nicht halt. Die Blasmusik verlor immer mehr an Attraktivität. Folge war ein langsamer aber steter Rückgang der Musikerzahlen.

 

Fusion der beiden Vereine – Gründung der Musikkapelle Maichingen

 

Da sowohl die Musik- und Chorgemeinschaft als auch der Musikverein immer weniger aktive Musiker in ihren Reihen hatten, wurde bei einer gemeinsamen Versammlung im Dezember 1993 im Blauen Haus die Fusion der beiden Vereine beschlossen.

 

Aus der Trachtenkapelle der Musik- und Chorgemeinschaft und dem Musikverein wurde die neugegründete Musikkapelle Maichingen. Als erster Vorsitzender wurde Franz Lemmle (ehemals MCM) gewählt, zweite Vorsitzende wurde Gabriele Rotter (ehemals MV). Erstmals nach mehreren „dünnen“ Jahren waren die Register wieder zufrieden stellend besetzt.